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Volkstrauertag 2017

Volkstrauertag 2017: Ansprache des Ortsvorstehers am Denkmal in der Glienicker Dorfstraße

Wenn wir in diesem Jahr den Volkstrauertag an diesem Denkmal begehen, hat sich hier etwas verändert, was man nicht sehen kann: Das Denkmal steht nun auf städtischem Grund. Bis zum vorigen Jahr noch stand es auf Privatland, und der Ortsbeirat hatte die Stadt aufgefordert, den dazu gehörenden Grund und Boden zu erwerben. Das ist nun erfreulicherweise geschehen. Die Stadt hat sich mit dem Kauf dazu bekannt, dass hier an der Glienicker Dorfstraße ein Denkmal steht, dessen Thema die Erinnerung an den Krieg ist. Beziehungsweise: an Kriege und Gewaltherrschaft.

Das Denkmal war in den 1920er Jahren zur Erinnerung an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges aufgestellt worden. Das konnte nicht, wie nach 1813 oder 1871, ein Triumph-Denkmal sein, weil Deutschland ja den Krieg verloren hatte. Aber es fehlte damals der Wille, sich die Niederlage einzugestehen, die Erfahrungen ehrlich aufzuarbeiten und die nötigen Lehren daraus zu ziehen. Deshalb geriet die Erinnerung an die Kriegstoten zur Heldenverehrung. Und diese Weigerung, sich offen und ehrlich mit den Kriegserfahrungen auseinanderzusetzen, schuf die Voraussetzung für die Beseitigung der Demokratie und den Gang in den nächsten Krieg.

So lang diese Geschichte vorbei ist, so aktuell ist sie wieder angesichts der jüngsten politischen Entwicklungen in Deutschland, Europa und den USA. Noch ist nichts Schlimmes passiert, aber es gewinnen wieder jene Kräfte an Boden, die nach Macht ohne Gewaltenteilung streben und nationalistisch tönen. Auch in Deutschland. Die Erinnerung an das Grauen der Gewaltherrschaft und der Kriege werden durch provokante Äußerungen am rechten Rand des politischen Spektrums in Frage gestellt. Und der rechte Rand ist in den letzten Wahlen erheblich stärker geworden, obwohl wir nicht in wirtschaftlichen Krisenzeiten leben – im Gegenteil.

Unsere Aufgabe ist es, immer wieder klar zu machen, dass uns die Demokratie und der europäische Einigungsprozess den Frieden gebracht haben, den wir auf unserem Kontinent seit über 70 Jahren genießen. Mit diesem Gedenken bekennen wir uns dazu: zur Demokratie, zur europäischen Einigung, zur Wahrung und Sicherung des Friedens. Und das heißt auch: Absage an jede Form des Nationalismus bei uns, in Europa und in der Welt.

Deshalb haben wir, der Ortsbeirat und der Groß Glienicker Kreis, dieses Denkmal durch die Tafel ergänzt, die zwar klein ist, Vorbeigehenden aber sofort auffällt und daher die notwendige Präsenz in dieser Anlage ist. Wir benennen die dunklen Punkte unserer Geschichte des vergangenen Jahrhunderts, weil wir überzeugt sind: nur die ehrliche Auseinandersetzung damit bewahrt uns davor, dass so etwas nicht wieder passiert.

Lassen Sie uns in diesem Geist den Volkstrauertag 2017 begehen – als Bekenntnis zu Frieden und Demokratie, zur Europäischen Union und als Absage an den Nationalismus, mit diesem Bekenntnis trauern wir um die Toten von Kriegen und staatlicher Gewalt in aller Welt.

Winfried Sträter, Ortsvorsteher

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